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Softwareeinsatz im Chemie- Unterricht

1. Molecular Design

        Es ist ein Zeichen der Zeit, dass John A. Pople und Walter Kohn 1988 für die Entwicklung einer Software den Chemie- Nobelpreis erhielten. Es sollte also heute zu den Lehrzielen gehören, die Schüler mit diesen modernen Methoden bekannt zu machen.

         Die Ladungsdichteverteilung und das Docking von Molekülen lassen sich heute mit geeigneter Software auf einem Standard- PC berechnen und grafisch darstellen. Der herkömmliche Molekülbaukasten kann an wirklich sehr vielen Stellen im Unterricht eingesetzt werden. Der virtuelle Molekülbaukasten soll nicht den Steckbaukasten ersetzen. Am PC lassen sich Moleküle jedoch wesentlich schneller aufbauen. Man kann in kürzerer Zeit mehr und größere Strukturen untersuchen. Moderne Software wie das UltraMol Office ermöglichen zusätzlich das schnelle Umschalten zwischen Kalotten- oder Stab- oder Potentialmodellen in Echtzeitdarstellung von Moleküldrehungen.

         Da UltraMol auch Moleküle mit ihren Orbitalen darstellen kann, geht diese Anwendung über die Möglichkeiten herkömmlicher Molekülbaukästen hinaus. Mit einem Mausklick wird die Ladungsdichteverteilung im Molekül berechnet und farbig abgebildet. Mit dieser, der Schulpraxis entstammenden, Software kann man den Schüler schon in die Grundlagen der Computational Chemistry einführen. Der Nachteil aller elektronischen Baukästen, nämlich dass die Schüler zunächst die Programmbedienung lernen müssen, wird bei UntraMol durch die frei kopierbare Zusatzdiskette MolView ausgeglichen. Da der Lehrer hierauf alle für ein Thema erforderlichen Molekülstrukturen speichern kann und er die Diskette den Schülern auch mit nach Hause geben darf, wird ein praxisgerechter Einsatz wesentlich erleichtert.


Abbildung 1:

Die Orbitaldarstellung des Butadiens in
UltraMol Office, wahlweise mit isolierten oder konjugierten Doppelbindungen, ist ein Beispiel dafür, dass mit moderner Schulsoftware die Möglichkeiten des herkömmlichen Molekülbaukastens wesentlich erweitert werden. Moleküle lassen sich auch in Kalotten- oder Stabform mit der Ladungsverteilung darstellen.

Die Software ermöglicht desweiteren das Zeichnen von Strukturformeln und deren direkte Umwandlung in 3D- Strukturen.

2. Simulation chemischer Sachverhalte

         Die praktische chemische Tätigkeit der Schüler sollte die Basis eines modernen Chemieunterrichts sein. Die Simulationssoftware
Elektrochemische Zellen Pro soll also nicht das Experiment ersetzen, sondern die experimentell gewonnenen Erfahrungen durch die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten erweitern. Hierbei helfen hierbei neben einer Datenbank zu Teilreaktionen mit ihren Normalpotentialen ein integrierter Rechner sowie die automatische Kalkulation von Potentialen und Potentialdifferenzen mit oder ohne der Nernst' schen Gleichung. Die Bedienung der Software ist denkbar einfach. Ähnlich wie im Realexperiment werden Elektroden mit ihren Elektrolyten mit der Maus in eine bereitstehende Versuchsanordnung gezogen. Auf weitere Mausklicks hin werden Anode, Kathode, Elektronenstromrichtung oder die Teilgleichungen für den Oxidations- bzw. Reduktionsvorgang und für die Gesamtgleichung eingeblendet. Da alle Ergebnisse über die Windows- Zwischenablage in Textverarbeitungen kopierbar sind, lassen sich mit dieser Software auch schnell Arbeitsanweisungen erstellen.

Abbildung 2:

Simulationssoftware, wie hier die
Elektrochemischen Zellen Pro, bildet Realexperimente nach. In die Bechergläser werden die Elektroden mit der Maus hineingezogen. Auf einen Mausklick hin werden die Normalpotentiale und die Potentialdifferenzen berechnet. Da die Nernst'sche Gleichung integriert ist, lässt sich beispielsweise der theoretische Hintergrund des Realexperiments ableiten.

Ähnlich aufgebaut ist die Gibbs- Energetik, eine Software zu Enthalpie- und Entropieberechnungen.

         Ähnlich aufgebaut ist die
Gibbs- Energetik, eine Software zur Berechnung der freien Enthalpie. Aus einer Datenbank mit einigen hundert thermodynamischen Daten wird eine Reaktionsgleichung mit der Maus am Bildschirm aufgestellt. Die berechneten Ergebnisse lassen sich numerisch oder grafisch darstellen und dienen als Diskussionsgrundlage zu energetischen Betrachtungen. Der Einsatz solcher Simulationssoftware spart, da auf mitgelieferte Datenbanken zurückgegriffen wird, viel Zeit gegenüber herkömmlichem Methoden.

3. Lehrsoftware

         
Lehrsoftware besteht aus fertigen Sequenzen, die entweder zur Schülerarbeit oder zur Präsentation vor der Klasse eingesetzt werden können. Zur Projektion reicht ein Video- Encoder, der das digitale Monitor- Signal in die analogen Signale eines normalen Fernsehers überträgt. Da Lehrsoftware multimedial aufgebaut ist, ist der Datenträger der normalerweise die CD. Ein Beispiel für eine solche multimediale Software für den Chemie- Unterricht ist die DynaChem CD, eine Software, die Reaktionsmechanismen in der Organischen Chemie simuliert. Diese CD kann man wie die bisherigen Folien auf dem Overhead- Projektor verwenden. Eine voluminöse Foliensammlung wird durch eine schlichte CD ersetzt. Anstatt von Standbildern werden die Animationen wie ein herkömmlicher Kurzfilm z.B. zum Einstieg, zur Veranschaulichung oder zur Erweiterung des Unterrichts eingesetzt.

         Die andere, wirklich neue Einsatzmöglichkeit der CD liegt darin, dass der didaktische Aufbau des jeweils zweiten Teiles der Sequenzen die selbständige Arbeit der Schüler im Computerraum ermöglicht. Mit erläuternden Texten, weiteren Grafiken, Videos und einblendbaren Hilfestellungen wird der Schüler durch die Reaktionsmechanismen in Molekülanimationen und animierten Formeldarstellungen geführt. In Testseiten kann er sein Wissen überprüfen. Schüler arbeiten gerne mit Multimedia- Anwendungen. Sie können selbst aktiv werden und ihre Lerngeschwindigkeit individuell bestimmen. Ein dauerhafter Lernerfolg stellt sich jedoch nur ein, wenn der Lehrer als Moderator einen solchen Kurs begleitet.

Abbildung 3:

DynaChem unterstützt als Lehr- und Präsentations- Software den Unterricht in der Organischen Chemie. Die neue Multimedia-Technik mit animierten Darstellungen von Reaktionsabläufen in Molekül- und Formeldarstellung ermöglicht durch den stufenweisen Aufbau einen unserem Wahrnehmungsvermögen entsprechenden, visuellen Lernvorgang.

Auf der CD sind über 80 Sequenzen mit den grundlegenden Mechanismen der Alkane, Alkene, Aldehyde, Carbonsäuren, Ester und den Substitutionen in der Aromatischen Chemie.

Die zum Verständnis erforderlichen Grundlagen der Organischen Chemie finden sich in der
OrgaChem CD.

4. Arbeitshilfen für den Lehrer

         Trotz der vielfältigen Möglichkeiten, die der Softwareeinsatz für den modernen Chemie- Unterricht bietet, so solte das eigene Experiment des Schülers die Basis eines modernen Unterrichts bilden. Mit den neuen
GlassyPraktika steht dem Lehrer eine Auswahl an Praktikumsanleitungen zur Verfügung, die er erstmals seinen Lehrzielen individuell selbst anpassen kann. Die Software ist ein Zusatz zu GlassyChemistry, einem speziell für die Schule entwickelten Formel- und Laborgeräte- Editor, abgestimmt auf die Textverarbeitung Microsoft Word97. Der Textteil eines Arbeitsblattes wird in Word geschrieben, der Grafikteil, sei es eine Destillationsvorrichtung, eine Strukturformel oder ein Fließdiagramm zur Ammoniaksynthese, wird in GlassyChemistry erstellt und über die Windows- Zwischenablage direkt in den Text eingefügt. Die Grafiken können auch im hochauflösenden WMF- Format gespeichert und damit in alle anderen gängigen Windows- Textverarbeitungen importiert werden. Die fertigen Arbeitsblätter in den GlassyPraktika sind so gestaltet, dass der Schüler nicht nur eine Anweisung erhält, sondern in das Blatt auch seine Beobachtungen und Auswertungen eintragen kann. GlassyPraktika ist eine Sammlung von vollständig mit GlassyChemistry erstellten Arbeitsblättern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Laborblättern lassen sich die Anleitungen der GlassyPraktika vor dem Ausdruck in GlassyChemistry vom Lehrer bearbeiten, so dass er diese seinem Lehrgang anpassen kann. Zu der Software gehört der CompuChem MultiViewer, mit dem die Arbeitsblätter zusammen mit kurzen Laboranweisungen betrachtet und ausgewählt werden.

Abbildung 4:

Die neuen
GlassyPraktika sind eine Sammlung von mit GlassyChemistry erstellten Experimentier- und Praktikumsanleitungen mit Laborskizzen, Beschriftungen und Strukturformeln.

Alle Arbeitsblätter können vom Lehrer gemäß den eigenen Vorstellungen in GlassyChemistry verändert und ausgedruckt werden. Zu der Software gehört der vielseitige MultiViewer mit dem sich außer den Experimentieranleitungen alle HTML, GIF, JPG, BMP, TXT- Files wesentlich schneller als mit der entsprechenden Originalsoftware betrachten lassen.

5. Fazit

         Moderne Software kann direkt oder indirekt helfen, einen zeitgemäßen Unterricht aufzubauen. Schüler lernen nicht nur Chemie, sie werden nebenher auch mit den Möglichkeiten der Datenverarbeitung in der heutigen Forschung bekannt gemacht. Digitale Medien können aufgrund ihrer Interaktivität und der hohen Speicherkapazität moderner Datenträger eine praxisgerechte Unterrichtshilfe sein, sofern diese pädagogisch und didaktisch geschickt eingesetzt wird.


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