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Molecular Design als didaktisches Medium

Einleitung

        Ein Molekülbaukasten dürfte wohl in jeder Chemiesammlung vorhanden sein. Ohne einen solchen bleibt ein Alkan ein flacher Bandwurm und ein motivierender Zugang zu einem Strukturdenken in der Organischen Chemie wird verschenkt. Der herkömmliche Molekülbaukasten kann an wirklich sehr vielen Stellen im Unterricht eingesetzt werden. Weshalb dann ein Molekülbaukasten am PC? Er soll sicher nicht den Steckbaukasten ersetzen, denn was man in den Händen hält, begreift man im wörtlich zu nehmendem Sinn. Geeignete Software vorausgesetzt, lassen sich Moleküle am PC jedoch wesentlich schneller aufbauen, d.h. man kann in kürzerer Zeit mehr und größere Strukturen untersuchen.

        Moderne Moleküldarstellungs- Software kann dem Lehrer helfen, Arbeitsblätter für Aufgaben, die von Schülern mit einem herkömmlichen Baukasten ausgeführt werden sollen, zu entwerfen. Desweiteren ist im Computereinsatz in der Chemie ein fächerverbindendes und motivationsförderndes Element zu sehen. Schüler sehen, wie heute Information in der Chemie gehandhabt wird. Moleküldarstellung Hilfsmittel für die kreative Gestaltung von Themenkreisen, die auch z.B. im Internet präsentiert werden können. Ein guter Molekülbaukasten am PC ermöglicht neue Fragestellungen und didaktische Methodiken und ist meist billiger als ein Klassensatz an physischen Modellen.

Anforderungen an unterrichtsgeeignete Software

        Ein Moleküldarstellungsprogramm für den Unterricht sollte intuitiv zu bedienen sein, d.h. es sollte sich ungefähr so handhaben lassen, wie es Schüler und Lehrer von herkömmlichen Grafikprogrammen gewohnt sind. Die Software sollte zweidimensionale Strukturformeln in dreidimensionale Moleküle umrechnen können und wenigstens die Grundregeln der IUPAC-Nomenklatur beherrschen. Die Grafikausgabe, sei es über die Zwischenablage oder als Grafikfile, sollte in mehren Formaten möglich sein (z.B. WMF, EMF, BMP). Durch ein Grafikformat wie JPG oder GIF sollte die Internet-Kompatibilität gegeben sein. Die Software sollte auch Molekülefiles, die mit wissenschaftlicher Software erstellt wurden, einlesen können. Hier sollten wenigstens das MOL- bzw. das PDB (bzw. ENT)- Format für Proteine aus der Brookhaven Datenbank importiert werden können. Da die meisten dieser Kriterien vom neuen UltraMol Office erfüllt werden, sollen anhand dieses Softwarepaketes die Möglichkeiten von Molecular Design im Unterricht vorgestellt werden.

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Abbildung 1:
Das UltraMol Office98- Paket erlaubt es, sowohl Strukturformeln zu zeichnen, als auch die in DrawMol (links) gezeichneten Strukturen in das Moleküldarstellungsprogramm UltraMol (rechts) zu übertragen und dreidimensional zu präsentieren.
Die Grafiken lassen sich direkt ausdrucken, speichern oder über die Windows-Zwischenablage in Textdokumente einfügen.
Die völlig neu entwickelte 32-bit- Strukturoptimierung von UltraMol ermöglicht es auch Ungeübten, Moleküle mit der Maus zu entwerfen und darzustellen.
UltraMol errechnet aus einer groben Skizze exakte Bindungsabstände und Winkel der Moleküle auf einen Mausklick in.
Aus groben Freihandzeichnungen werden so Molekülgrafiken mit Licht und Schatten in High- bis True-Color-Darstellung.


Konzeption eines Moleküldarstellungsprogramms für die Schule

        UltraMol Office ist ein abgestimmtes Paket bestehend aus dem Formeleditor MolDraw und dem Molecular - Design - Programm UltraMol für Windows 95-2000 bzw. ME+ NT. Abgestimmt heißt, dass in MolDraw gezeichnete Strukturformeln nicht nur an die Textverarbeitung übernommen, sondern auch in UltraMol als 3-D-Moleküle dargestellt werden können. Durch die Abbildung von dreidimensionalen Molekülmodellen wird die Räumlichkeit auch großer Strukturen erfassbar. UltraMol bietet hochwertige Moleküldarstellung auf dem PC in Echtzeitdarstellung und Echtfarbenqualität durch ein neues Renderingverfahren. Moleküle werden für eine "Life-Präsentation" vor der Klasse manuell oder automatisch im Raum gedreht. Da immer mehr Schüler einen eigenen PC haben, wird die Diskette MolView bei der Schullizenz mitgeliefert. Dieses Programm darf zusammen mit Molekülfiles für Unterrichtseinheiten beliebig oft kopiert und auch den Schülern zur häuslichen Arbeit mitgegeben werden.

        Hinter der Softwareentwicklung steckt eine zehnjährige Erfahrung nicht nur in den Programmiertechniken, sondern auch im Unterrichtseinsatz. Das Meiste, was heute technisch möglich und für den Unterricht sinnvoll ist, wurde realisiert. So müssen Moleküle in UltraMol nur noch als grobe Freihandskizze gezeichnet werden. Die Hauptarbeit, also das Berechnen der exakten Bindungswinkel und Längen übernimmt das Programm selbst auf einen Mausklick hin. Restvalenzen werden automatisch mit Wasserstoff- Atomen abgesättigt. Atome der so entworfenen Strukturen lassen sich einzeln oder in Gruppen mit der Maus anfassen und bewegen. Ohne dass ein erneutes Knüpfen von Bindungen erforderlich ist, lassen sich beispielsweise aus dem Molekülmodell der Glucose alle anderen Enantiomeren durch einfaches Verschieben der OH-Gruppen ableiten. Die neuen Bindungswinkel und Abstände optimiert das Programm selbst.

Abbildung 2:

Aus der groben Freihandzeichnung eines Sechserringes werden
bei dem Optimieren der Struktur in UltraMol die Wasserstoffatome automatisch
hinzugefügt. Das Ergebnis der Optimierung in ein Cyclohexan
in der energetisch begünstigten Sesselform, das als Stabmodell dargestellt wurde.
Die markierten Atome lassen sich andererseits mit der Maus anfassen und nach oben schieben.
Nach dem nochmaligen Optimieren der Struktur erhält man Cyclohexan in der Wannenform.
Alle Skizzen sind schon während des Entwurfs als Stab, Kugelstab oder Kalottenmodell darstellbar.
Auf diese Weise lassen sich entsprechend mit wenigen Mauszügen z.B. auch Kohlenhydrate in ihre Enantiomere umwandeln.

Aus IUPAC- Namen werden Moleküle

        Moleküle lassen sich auch mit dem integrierten IUPAC-Editor für Aliphaten entwerfen. Das Programm besitzt die besondere Fähigkeit, alle Stämme bis Eicosan und die meisten funktionellen Gruppen direkt in chemische Strukturen umzusetzen. Wird im IUPAC-Editor beispielsweise "2-Amino-3-hydroxy-propansäure" eingegeben, so macht UltraMol hieraus im Bruchteil einer Sekunde die Aminosäure Serin. Dieser Editor ist nicht nur als ultraschnelle Eingabehilfe gedacht, es ist auch ein faszinierender Nomenklatur- Trainer. Auch Virtuelle VRML-3D-Moleküle im können so dargestellt werden.

Abbildung 3:

Zwei, mit aromatischen Bindungslinen am Bildschirm gezeichnete Sechseringe ergeben in UltraMol Diphenyl.
Da sich in UltraMol auch einzelne Bindungen auswählen lassen, ist es ein einfaches, im Molekül den Phenylrest um 90° zu drehen.
Auf diese Weise lassen sich Konformationen darstellen und, sofern man das Kalottenmodell mit
Farbgebung gemäß den Elektronegativitäten wählt, auch Abstoßungen diskutieren.

Möglichkeiten der Moleküldarstellung

        Die entworfenen oder eingelesenen Molekülfiles lassen sich je nach Einsatz in verschiedenen Modellen bei beliebiger Farbwahl präsentieren. Die Ausgabe der Grafiken ist in drei Qualitätsstufen bis hin zum hochauflösenden POV-ray- Format möglich. Didaktisch besonders wertvoll ist die Farbwahl gemäß den Elektronegativitäten. Hier sieht man sofort anhand der Regenbogenfarben, wo das elektronegativere bzw. elektropositivere Ende des Moleküls ist. Auch die Art der Molekülmodelle ist nicht starr festgelegt. Alle Übergänge zwischen Stab-, Kugelstab-, Kalotten- und Potentialmodell sind frei einstellbar. Wahlweise sind Atomsymbole einblendbar. Durch Auswahl eines Atomes lassen sich Bindungswinkel bzw. Abstände von Bindungszentren abfragen. An diesen lassen sich Molekülteile um Bindungsachsen drehen. Atome werden durch einfaches Anklicken, Bindungstypen durch Überfahren der vorhandenen Bindung mit der Maus geändert. Auch größere Moleküle, z.B. Maltose aus Glucose oder Oligopeptide aus Aminosäuren, lassen sich leicht aus Bausteinen verknüpfen. Hierzu werden die Grundstrukturen einfach aus der Datenbank MolBio eingelesen, verknüpft und zur exakten 3D-Struktur in UltraMol optimiert. Wie das gemacht wird, ist in den Abbildungen dieses Berichts beschrieben. Ein genaueres Studium eines Teils der vielfältigen Möglichkeiten ist mit der Demoversion anhand von kleinen Molekülen möglich.

Abbildung 4: "Synthese" eines Esters am PC.
Eine wesentliche Komponente des Aromas von Birnen ist Amylacetat. Eine solche Kondensation lässt sich am PC mit UltraMol in weniger als einer Minute durchführen.
Für das Beispiel wurde in den IUPAC-Editor von UltraMol nur Ethansäure und 2-Pentanol eingegeben und durch Markierung mit der Maus "kondensiert" (Pfeil in der Menüleiste). Die dritte Abbildung zeigt dann den Ester nach der Strukturoptimierung (Knopf: Optimize). Auf diese Weise lassen sich leicht weitere Ester darstellen. Hieraus könnte sich eine vergleichende Darstellung von Aromastoffen und deren Strukturen entwickeln. Nebenbei lernen bzw. wiederholen die Schüler bei solchen Aufgaben die Nomenklatur bzw. dass Moleküle eine ganz andere räumliche Struktur haben, als dies in der Formelschreibweise dargestellt wird.



Abbildung 5: "Kondensation" zweier Aminosäuren am PC
Peptide lassen sich mit UltraMol aus Aminosäuren am Bildschirm durch "Kondensation" aufbauen. Die erforderlichen Aminosäuren werden durch Eingabe des IUPAC-Namens entworfen bzw. aus der Biochemie- Datenbank importiert. Hier wurde die Aminosäure Alanin durch einfache Eingabe von "2-Aminopropansäure" in den IUPAC-Editor von UltraMol erstellt.
Das Tyrosin stammt aus der Datenbank MolBio. Die Anordnung der Amino- bzw. Carboxylgruppe erfolgte durch Markieren, Schieben und Drehen mit der Maus. Die Kondensation wird durch Löschen der Hydroxylgruppe bzw. des Aminowasserstoffes durchgeführt. Die richtigen Bindungsabstände ergeben sich nach dem Optimieren automatisch. Selbstverständlich lässt sich durch weitere Kondensationen das Oligopetid verlängern.
Entsprechend kann auch eine Halbacetalbildung oder die Umwandlung eines Zuckers von der Fischer-Projektion in die Haworth-Struktur gezeigt werden.

Abbildung 6: Ausschnitt aus einem Arbeitsblatt zur Nomenklatur der Alkanole und deren Isomeren.
Aufgabe der Schüler ist es, die entsprechenden Strukturformeln zu zeichnen und diese zu benennen. Für die Grafiken wurden in den IUPAC-Editor von UltraMol nur die Namen der Aliphaten eingeben (1-Butanol, 2-Methyl-2-propanol usw.). Im Bruchteil einer Sekunde ist das Molekül berechnet und am Bildschirm dargestellt. Die Grafiken können direkt über die Windows-Zwischenablage in Textverarbeitungen eingefügt werden. So perfekt solche Arbeitsblätter auch aussehen - es ist für UltraMol eine einfach zu lösende Aufgabe.

-Zu UltraMol
Zu easyMol 3.D


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